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NEAT: Das Schweizer Megaprojekt unter den Alpen

NEAT: Das Schweizer Megaprojekt unter den Alpen

24 Milliarden Franken, drei Basistunnel, 28 Jahre Bauzeit - und eine Volksabstimmung am Anfang. Was hinter dem grössten Bauwerk der Schweizer Bahngeschichte steckt.

SchweizWissen Redaktion·2. Oktober 2026·7 Min. Lesezeit

Die Schweiz ist bekannt für Präzision, direkte Demokratie und gute Infrastruktur. Aber kaum ein Projekt zeigt diese Kombination so eindrücklich wie die NEAT.

NEAT steht für Neue Eisenbahn-Alpentransversale. Dahinter steckt eines der grössten Bauprojekte der Schweizer Geschichte: neue Bahnstrecken und riesige Basistunnel durch die Alpen, damit Personen und Güter schneller, flacher und effizienter von Norden nach Süden fahren können.

Oder einfacher gesagt: Die Schweiz hat einen neuen Eisenbahnweg durch die Alpen gebaut - nicht über die Berge, sondern tief darunter.

Was ist die NEAT?

Die NEAT ist ein Jahrhundertprojekt der Schweizer Bahn. Sie besteht aus mehreren grossen Bauwerken, vor allem aus drei Basistunneln: dem Gotthard-Basistunnel, dem Lötschberg-Basistunnel und dem Ceneri-Basistunnel.

Zusammen bilden sie moderne Bahnverbindungen durch die Alpen. Der Bund beschreibt die NEAT als das grösste Bauwerk in der Geschichte der Schweizer Eisenbahn. Mit den neuen Basistunneln und den ausgebauten Zufahrtsstrecken entstand eine moderne Verbindung durch die Alpen.

Das Ziel war klar: Mehr Verkehr soll auf die Schiene statt auf die Strasse. Besonders Güter sollen nicht mehr mit unzähligen Lastwagen über die Alpen fahren, sondern mit der Bahn.

Warum brauchte die Schweiz dieses Projekt?

Die Alpen sind für die Schweiz wunderschön - aber für den Verkehr eine riesige Hürde.

Wer Güter von Nord- nach Südeuropa transportiert, muss die Alpen überqueren. Lange Zeit bedeutete das: steile Bahnstrecken, enge Kurven, langsame Züge und viele Lastwagen auf den Strassen.

Das war ein Problem. Einerseits für die Wirtschaft, weil der Transport durch die Alpen aufwendig war. Andererseits für die Umwelt, weil der Lastwagenverkehr Lärm, Abgase und Belastung für alpine Täler brachte.

Die NEAT sollte genau dieses Problem lösen. Sie sollte eine flachere, schnellere und leistungsfähigere Bahnverbindung schaffen. So können schwere Güterzüge einfacher durch die Alpen fahren, ohne steile Bergstrecken überwinden zu müssen.

Warum heisst es Basistunnel?

Ein Basistunnel ist ein Tunnel, der nicht hoch oben durch den Berg führt, sondern möglichst tief an der Basis des Gebirges.

Das ist entscheidend. Alte Alpenstrecken führen oft mit vielen Kurven und Steigungen über die Berge. Züge müssen bergauf kämpfen, sind langsamer und brauchen mehr Energie.

Ein Basistunnel macht die Strecke flacher. Die Bahn fährt nicht mehr über den Berg, sondern unten durch den Berg hindurch. Dadurch können längere, schwerere und schnellere Züge fahren.

Man kann es sich so vorstellen: Statt eine kurvige Passstrasse über einen Berg zu nehmen, baut man eine direkte, flache Verbindung unten durch.

Der Gotthard-Basistunnel: Das Herzstück der NEAT

Das bekannteste Bauwerk der NEAT ist der Gotthard-Basistunnel, nicht zu verwechseln mit dem Gotthard-Strassentunnel für Autos.

Er ist 57 Kilometer lang und damit der längste Eisenbahntunnel der Welt. Er löste den japanischen Seikan-Tunnel als längsten Eisenbahntunnel ab. Der Gotthard-Basistunnel liegt zudem bis zu 2300 Meter unter dem Berg und besteht aus zwei voll ausgebauten, separaten Röhren.

Seit Dezember 2016 ist er in Betrieb. Er verbindet den Kanton Uri mit dem Tessin und verkürzt die Strecke gegenüber der alten Berglinie um rund 30 Kilometer.

Das ist mehr als nur ein Tunnel. Es ist eine neue Verkehrsachse durch Europa. Der Gotthard-Basistunnel ist Teil des wichtigen Nord-Süd-Korridors zwischen den Häfen und Wirtschaftsräumen im Norden Europas und Norditalien.

Der Lötschberg-Basistunnel: Die zweite wichtige Achse

Neben dem Gotthard gibt es auch die Lötschberg-Achse.

Der Lötschberg-Basistunnel ist rund 34 Kilometer lang und seit 2007 in Betrieb. Er führt vom Berner Oberland ins Wallis und verbindet die Schweiz weiter Richtung Simplon und Norditalien. Der Bau dauerte acht Jahre und kostete laut Bundesamt für Verkehr rund 5,3 Milliarden Franken, inklusive Zinsen und Mehrwertsteuer.

Der Lötschberg ist wichtig, weil er eine zweite Nord-Süd-Verbindung stärkt. Allerdings ist er noch nicht vollständig zweispurig ausgebaut. Das bedeutet: Er hat zwar enorme Bedeutung, stösst aber kapazitätsmässig schneller an Grenzen.

Der Ceneri-Basistunnel: Das fehlende Puzzleteil im Tessin

Der Ceneri-Basistunnel ist weniger bekannt als der Gotthard, aber für die NEAT sehr wichtig.

Er liegt im Tessin und wurde 2020 eröffnet. Mit seiner Eröffnung wurde die NEAT offiziell vollendet. Der Tunnel macht die Nord-Süd-Achse im Tessin flacher und leistungsfähiger.

Vor allem für das Tessin ist der Ceneri wichtig. Er verbessert nicht nur den internationalen Verkehr, sondern auch den regionalen Bahnverkehr. Orte wie Bellinzona, Lugano und Locarno rücken näher zusammen.

Damit zeigt die NEAT: Sie ist nicht nur ein Transitprojekt für Europa. Sie verbessert auch Verbindungen innerhalb der Schweiz.

Die Schweiz hat darüber abgestimmt

Ein besonderer Punkt an der NEAT ist: Die Bevölkerung hat über dieses Mega-Projekt abgestimmt.

Am 27. September 1992 nahmen die Schweizer Stimmberechtigten die NEAT-Vorlage mit 64 Prozent Ja-Stimmen an. Damit erhielt der Bau der neuen Alpentransversalen politisch grünes Licht.

1998 folgte eine weitere wichtige Abstimmung: Volk und Stände sagten Ja zur FinöV-Vorlage. Damit wurde die Finanzierung grosser Bahnprojekte gesichert. Der Fonds wurde unter anderem durch Mehrwertsteuer, Mineralölsteuern, die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe und Bundesdarlehen gespeist.

Das ist typisch Schweiz: Selbst ein riesiges Infrastrukturprojekt dieser Grössenordnung brauchte nicht nur Ingenieure und Milliarden, sondern auch demokratische Zustimmung.

Wie teuer war die NEAT?

Die NEAT war teuer. Sehr teuer.

Das Alptransit-Portal des Bundesarchivs spricht davon, dass beim Abschluss des Projekts rund 24 Milliarden Franken verplant und verbaut sein werden.

Diese Summe zeigt, wie gigantisch das Projekt war. Es ging nicht einfach um einen Tunnel, sondern um ein ganzes System aus Tunnelröhren, Zufahrtsstrecken, Bahntechnik, Sicherheitsanlagen, Lüftung, Energieversorgung, Planung, Überwachung und Betrieb.

Gleichzeitig muss man verstehen: Die NEAT war nicht als Projekt gedacht, das sich direkt über Ticket- oder Trasseneinnahmen selbst bezahlt. Sie war eine langfristige Investition in Verkehr, Umwelt, Wirtschaft und europäische Vernetzung.

Warum ist die NEAT für Europa wichtig?

Die NEAT ist nicht nur ein Schweizer Projekt. Sie ist Teil eines europäischen Verkehrskorridors.

Güter aus dem Norden Europas können über die Schweiz Richtung Italien transportiert werden. Umgekehrt gelangen Waren aus dem Süden schneller nach Norden. Besonders die Achse Rotterdam-Basel-Genua spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Schweiz liegt mitten auf dieser Route. Deshalb ist die NEAT auch für Europa relevant: Sie schafft eine leistungsfähige Bahnverbindung durch die Alpen.

Das ist geopolitisch und wirtschaftlich wichtig. Die Schweiz ist zwar nicht in der EU, aber ihre Infrastruktur ist eng mit dem europäischen Verkehrssystem verbunden.

Hat die NEAT den Verkehr wirklich auf die Schiene gebracht?

Die NEAT sollte vor allem die Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene stärken. Das ist teilweise gelungen, aber nicht vollständig abgeschlossen.

Laut Bundesamt für Verkehr lag der Bahnanteil am gesamten alpenquerenden Güterverkehr in der Schweiz im Jahr 2025 bei 68,6 Prozent. Der Strassenanteil lag entsprechend bei 31,4 Prozent. Das zeigt: Die Bahn hat in der Schweiz im Alpenverkehr eine sehr starke Rolle.

Gleichzeitig ist das Ziel noch nicht vollständig erreicht. 2025 fuhren laut BAV rund 960'000 Lastwagen durch die Schweizer Alpen. Der Bahnanteil ging gegenüber dem Vorjahr zurück, unter anderem wegen Baustellen und der angespannten wirtschaftlichen Lage.

Die NEAT allein löst also nicht jedes Verkehrsproblem. Sie schafft die Infrastruktur. Aber damit Güter wirklich dauerhaft von der Strasse auf die Schiene wechseln, braucht es auch funktionierende internationale Anschlüsse, genügend Kapazität, attraktive Preise und eine gute Logistik.

Was bringt die NEAT den Reisenden?

Für Reisende bringt die NEAT kürzere Fahrzeiten und bessere Verbindungen.

Das Bundesamt für Verkehr schreibt, dass die NEAT die Fahrzeit auf der Gotthard-Achse auf knapp 2 Stunden zwischen Zürich und Lugano und auf rund 3 Stunden von Zürich nach Mailand verkürzt. Auf der Simplon-Achse brachte der Lötschberg-Basistunnel bis zu eine Stunde kürzere Reisezeiten.

Das macht einen Unterschied. Das Tessin rückt näher an die Deutschschweiz. Norditalien wird besser erreichbar. Reisen durch die Alpen werden schneller, direkter und komfortabler.

Die NEAT ist also nicht nur ein Güterverkehrsprojekt. Sie verändert auch, wie Menschen innerhalb der Schweiz und Richtung Italien reisen.

Warum die NEAT ein Schweizer Jahrhundertprojekt ist

Die NEAT zeigt, was die Schweiz besonders gut kann: langfristig planen, technisch präzise bauen, politisch breit abstützen und Infrastruktur über Generationen denken.

Solche Projekte entstehen nicht in wenigen Jahren. Sie brauchen Jahrzehnte. Die NEAT wurde politisch in den 1990er-Jahren beschlossen, der Lötschberg ging 2007 in Betrieb, der Gotthard 2016 und der Ceneri 2020.

Das ist typisch für grosse Infrastruktur: Die Generation, die entscheidet, ist nicht immer dieselbe, die später den vollen Nutzen erlebt.

Genau deshalb ist die NEAT so bemerkenswert. Sie ist ein Projekt, das über kurzfristige Politik hinausgeht. Es verbindet Umweltschutz, Mobilität, internationale Vernetzung und Schweizer Ingenieurskunst.

Fazit

Die NEAT ist eines der wichtigsten Mega-Projekte der Schweiz.

Sie hat die Alpenbahn neu erfunden: weg von steilen Bergstrecken, hin zu flachen, leistungsfähigen Basistunneln tief unter den Alpen. Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Zusammen mit Lötschberg und Ceneri bildet er das Herz eines modernen Nord-Süd-Bahnkorridors.

Die NEAT ist teuer, komplex und nicht ohne Herausforderungen. Aber sie zeigt, wie die Schweiz Infrastruktur versteht: als langfristige Investition in Mobilität, Umwelt, Wirtschaft und Verbindung mit Europa.

Die NEAT ist der Beweis, dass die Schweiz nicht nur über Berge redet. Sie baut durch sie hindurch.

Quellen

[1] UVEK: Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale NEAT; grösstes Bauwerk in der Geschichte der Schweizer Eisenbahn, drei Basistunnel und Ziel der Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. (uvek.admin.ch)

[2] Bundesamt für Verkehr BAV: Die Neue Eisenbahn-Alpentransversale; Gotthard-Basistunnel mit 57 Kilometern als längster Eisenbahntunnel der Welt, bis zu 2300 Meter Felsüberdeckung, seit Dezember 2016 in Betrieb. (bav.admin.ch)

[3] BAV: Lötschberg-Basistunnel; 34 Kilometer Länge, seit 2007 in Betrieb, Bauzeit acht Jahre, Kosten rund 5,3 Milliarden Franken inklusive Zinsen und Mehrwertsteuer. (bav.admin.ch)

[4] UVEK: Eröffnung des Ceneri-Basistunnels am 4. September 2020; Vollendung der NEAT, Stärkung der Verlagerungspolitik und Verbesserung des Verkehrs im Tessin. (uvek.admin.ch)

[5] Alptransit-Portal: Volksabstimmung zur NEAT vom 27. September 1992; Annahme mit 64 Prozent Ja-Stimmen. (alptransit-portal.ch)

[6] Alptransit-Portal: Ja zur FinöV 1998; Finanzierung grosser Bahninfrastrukturvorhaben über einen Fonds aus Mehrwertsteuer, Mineralölsteuern, Schwerverkehrsabgabe und Bundesdarlehen. (alptransit-portal.ch)

[7] Alptransit-Portal: Kosten und Nutzen der NEAT; rund 24 Milliarden Franken beim Abschluss des Projekts verplant und verbaut. (alptransit-portal.ch)

[8] Bundesamt für Verkehr BAV: Alpenquerender Güterverkehr 2025; Bahnanteil 68,6 Prozent, Strassenanteil 31,4 Prozent und rund 960'000 Lastwagen durch die Schweizer Alpen. (bav.admin.ch)

[9] BAV: NEAT-Flyer; Fahrzeitverkürzung auf der Gotthard-Achse auf knapp 2 Stunden Zürich-Lugano und rund 3 Stunden Zürich-Mailand, Lötschberg mit bis zu einer Stunde kürzeren Reisezeiten. (bav.admin.ch)

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