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Die Schweiz hat mehr Gold als viele denken

Die Schweiz hat mehr Gold als viele denken

1'040 Tonnen Gold. Kein einzige Mine. Die Schweiz ist eines der wichtigsten Gold-Drehkreuze der Welt - und das ohne grosse Minen.

SchweizWissen Redaktion·25. August 2026·9 Min. Lesezeit

Wenn man an Gold denkt, denkt man zuerst an Minen in Südafrika, Australien, China oder Kanada. Kaum jemand denkt sofort an die Schweiz.

Und trotzdem spielt die Schweiz im globalen Goldgeschäft eine riesige Rolle.

Nicht, weil hier besonders viel Gold aus dem Boden geholt wird. Die Schweiz hat keine grossen Goldminen. Ihre Bedeutung liegt woanders: Sie besitzt grosse Goldreserven, lagert Gold, verarbeitet Gold, handelt Gold und raffiniert einen bedeutenden Teil des weltweiten Goldflusses.

Einfach gesagt: Die Schweiz ist kein klassisches Goldminen-Land. Aber sie ist eines der wichtigsten Gold-Drehkreuze der Welt.

Die Schweizer Nationalbank besitzt über 1'000 Tonnen Gold

Die wichtigste Zahl zuerst: Die Schweizerische Nationalbank hält 1'040 Tonnen Gold.

Diese Goldreserven sind seit mehreren Jahren unverändert. Die SNB schreibt selbst, dass Gold ein Teil ihrer Währungsreserven ist und zur Diversifikation des Anlageportfolios beiträgt.

1'040 Tonnen klingt abstrakt. Deshalb anders gesagt: Das sind über 1 Million Kilogramm Gold.

Ende 2025 lag der Goldpreis laut SNB bei 110'919 Franken pro Kilogramm. Allein dadurch erzielte die Nationalbank 2025 einen Bewertungsgewinn von 36,3 Milliarden Franken auf ihren Goldbeständen.

Das Gold liegt also nicht einfach symbolisch herum. Es ist ein riesiger Teil der finanziellen Sicherheitsreserve der Schweiz.

Nicht das ganze Gold liegt in der Schweiz

Viele stellen sich vor, dass das gesamte Schweizer Gold irgendwo tief in einem Tresor unter den Alpen liegt. Ganz so einfach ist es nicht.

Die SNB lagert ihr Gold bewusst an mehreren Orten. Rund 70 Prozent der Goldbestände befinden sich in der Schweiz. Rund 20 Prozent liegen bei der Bank of England in Grossbritannien und rund 10 Prozent bei der Bank of Canada.

Das hat einen logischen Grund: Die Schweiz will im Krisenfall flexibel bleiben. Wenn Gold an mehreren sicheren Orten gelagert wird, kann die Nationalbank auch in internationalen Krisen darauf zugreifen.

Gold ist also nicht nur ein Vermögenswert. Es ist auch eine strategische Reserve.

Die Schweiz hat pro Kopf extrem viel Gold

Die Schweiz besitzt nicht die grössten Goldreserven der Welt. Länder wie die USA, Deutschland, Italien oder Frankreich halten grössere absolute Mengen.

Aber gemessen an der Bevölkerungszahl ist die Schweiz besonders stark.

Mit 1'040 Tonnen Gold und einer Bevölkerung von rund neun Millionen Menschen kommt die Schweiz grob gerechnet auf über 100 Gramm Gold pro Einwohnerin und Einwohner - nur als Vergleichswert, nicht als persönlicher Besitz.

Das zeigt, wie gross diese Reserve für ein kleines Land ist.

Gold war lange noch wichtiger für den Franken

Historisch spielte Gold für die Schweiz eine noch grössere Rolle als heute.

Früher waren Währungen stärker an Gold gekoppelt. Auch der Schweizer Franken war lange mit Gold verbunden. Die Nationalbank musste einen Teil des Geldes mit Gold decken.

Heute funktioniert Geld anders. Der Franken ist nicht mehr direkt durch Gold gedeckt. Trotzdem ist Gold geblieben - als Reserve, als Vertrauensanker und als Absicherung gegen extreme Krisen.

Das passt gut zur Schweiz: Gold ist nicht schnell, nicht modern, nicht digital. Aber es gilt seit Jahrtausenden als Wertaufbewahrungsmittel. Genau deshalb halten Zentralbanken bis heute Gold.

Die Schweiz ist einer der wichtigsten Goldhandelsplätze der Welt

Die Schweiz hat nicht nur Goldreserven. Sie ist auch ein extrem wichtiger Ort für den globalen Goldhandel.

Die SNB schreibt in einer Economic Note von 2025, dass Gold der grösste Import- und Exportposten der Schweiz nach Wert ist. Der Grund sind die starken Raffinerie- und Handelsaktivitäten im Land.

Das ist erstaunlich: Gold ist für die Schweizer Aussenhandelsstatistik so bedeutend, dass es die Handelszahlen stark verzerren kann. Laut Reuters machte Gold 2024 rund 27 Prozent des Werts des Schweizer Warenhandels aus - vor pharmazeutischen Produkten mit 22 Prozent.

Gold kommt also oft in die Schweiz, wird hier verarbeitet oder umgeschmolzen und verlässt das Land wieder.

Ein grosser Teil des weltweiten Goldes wird in der Schweiz verarbeitet

Die Schweiz ist besonders stark in der Goldraffination.

Das bedeutet: Gold wird hier gereinigt, geschmolzen, geprüft, standardisiert und zu Barren oder anderen Formen verarbeitet. Dabei geht es nicht nur um Schmuckgold, sondern auch um Investmentgold, Zentralbankgold und Gold für Finanzmärkte.

Mehrere der weltweit wichtigsten Goldraffinerien befinden sich in der Schweiz, viele davon im Tessin. Die Schweiz ist deshalb eine Art Durchgangsstation für Gold aus aller Welt.

Gold aus Minen, Recycling oder Finanzmärkten kann in die Schweiz kommen, hier aufbereitet werden und danach an Banken, Investoren, Schmuckhersteller oder andere Länder weitergehen.

Warum ausgerechnet die Schweiz?

Dass die Schweiz im Goldgeschäft so wichtig wurde, hat mehrere Gründe.

Erstens hat die Schweiz eine lange Finanztradition. Banken, Vermögensverwaltung, Edelmetallhandel und sichere Lagerung passen gut zusammen.

Zweitens gilt die Schweiz als politisch stabil. Für Gold ist Vertrauen entscheidend. Wer Gold lagert, handelt oder raffiniert, will stabile Gesetze, verlässliche Institutionen und sichere Eigentumsrechte.

Drittens hat die Schweiz hohe technische Standards. Goldraffination braucht Präzision, Kontrolle und Qualitätssicherung.

Die Schweiz wurde also nicht durch Goldminen zum Goldland, sondern durch Vertrauen, Infrastruktur, Finanzwissen und Präzision.

Gold ist für die Schweiz auch politisch sensibel

Gold ist aber nicht nur ein glänzendes Erfolgsmodell. Es ist auch ein sensibles Thema.

Denn Gold kann aus problematischen Quellen stammen: aus Konfliktregionen, illegalem Abbau, Umweltzerstörung oder aus Minen mit schlechten Arbeitsbedingungen. Weil die Schweiz ein grosser Goldhub ist, steht sie international immer wieder in der Verantwortung.

Die zentrale Frage lautet: Woher kommt das Gold genau?

Die Schweiz hat deshalb Regeln, Kontrollen und Sorgfaltspflichten. Trotzdem bleibt die Herkunft von Gold weltweit eine Herausforderung. Gerade bei eingeschmolzenem Gold ist es oft schwierig, die ursprüngliche Quelle lückenlos nachzuvollziehen.

Das ist die Kehrseite der Schweizer Goldrolle: Wer ein globaler Goldplatz ist, trägt auch Verantwortung für Transparenz und saubere Lieferketten.

Gold zeigt, wie speziell die Schweizer Wirtschaft funktioniert

Gold passt erstaunlich gut zur Schweizer Wirtschaft.

Die Schweiz ist selten das Land, das Rohstoffe selbst abbaut. Sie ist eher das Land, das Rohstoffe verarbeitet, veredelt, finanziert, zertifiziert, lagert oder weltweit handelbar macht.

Das sieht man auch bei anderen Bereichen: Kaffee wächst nicht in der Schweiz, aber die Schweiz ist stark im Kaffeehandel und in der Verarbeitung. Rohstoffe entstehen oft anderswo, aber die Schweiz schafft Wert durch Präzision, Vertrauen, Marken, Finanzsysteme und Infrastruktur.

Gold ist dafür vielleicht das stärkste Beispiel.

Fazit

Die Schweiz ist kein Goldminen-Land. Aber sie ist ein Goldland.

Die Schweizerische Nationalbank hält 1'040 Tonnen Gold. Rund 70 Prozent davon lagern in der Schweiz, der Rest in Grossbritannien und Kanada. Gleichzeitig ist die Schweiz einer der wichtigsten Orte der Welt für Goldraffination, Goldhandel und sichere Lagerung.

Gold zeigt damit eine typische Schweizer Stärke: Die Schweiz muss Rohstoffe nicht selbst besitzen, um global wichtig zu sein. Sie schafft Wert durch Vertrauen, Stabilität, Präzision, Verarbeitung und Finanzinfrastruktur.

Einfach gesagt: Die Schweiz gräbt kaum Gold aus dem Boden. Aber ein erstaunlich grosser Teil des weltweiten Goldes geht durch Schweizer Hände.

Quellen

Schweizerische Nationalbank SNB: Erklärung zur Anlagepolitik; 1'040 Tonnen Gold, Lagerung 70 Prozent Schweiz, 20 Prozent Bank of England, 10 Prozent Bank of Canada.

Schweizerische Nationalbank SNB: Jahresergebnis 2025; Goldpreis 110'919 Franken pro Kilogramm, Bewertungsgewinn 36,3 Milliarden Franken.

Schweizerische Nationalbank SNB: Economic Note "Gold as a safe-haven asset and the Swiss external sector"; Gold als grösster Import- und Exportposten der Schweiz nach Wert.

Reuters: Gold machte 2024 rund 27 Prozent des Werts des Schweizer Warenhandels aus, vor pharmazeutischen Produkten mit 22 Prozent.

World Gold Council: Offizielle Goldreserven von Zentralbanken weltweit.

World Gold Council: Ende 2025 existierten weltweit geschätzt 219'891 Tonnen oberirdisches Gold, davon rund 38'666 Tonnen bei Zentralbanken.

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