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Warum es in der Schweiz so viele Millionäre gibt

Warum es in der Schweiz so viele Millionäre gibt

Mehr Millionäre als fast jedes andere Land - aber viel davon steckt in Immobilien und Pensionskassen. Was hinter den Zahlen wirklich steckt.

SchweizWissen Redaktion·30. Juli 2026·8 Min. Lesezeit

Die Schweiz gilt als eines der reichsten Länder der Welt. Aber spannend wird es, wenn man genauer hinschaut: Warum gibt es hier eigentlich so viele Millionäre? Liegt es nur an den hohen Löhnen? An den Banken? An tiefen Steuern? Oder daran, dass Immobilien so teuer geworden sind?

Die Antwort ist: Es ist eine Mischung aus allem. Die Schweiz ist nicht nur ein Land mit hohen Einkommen. Sie ist auch ein Land mit hohen Immobilienwerten, einem starken Finanzplatz, stabilen Institutionen, viel angespartem Vorsorgekapital und internationaler Anziehungskraft für Vermögende.

Wichtig ist zuerst die Definition: Wenn in Vermögensberichten von "Millionären" die Rede ist, geht es meistens um US-Dollar-Millionäre. Gemeint sind Personen, deren Nettovermögen über einer Million US-Dollar liegt, also Vermögen aus Finanzanlagen, Immobilien und anderen Vermögenswerten, abzüglich Schulden. Es geht also nicht darum, ob jemand eine Million pro Jahr verdient.

Die Schweiz ist im Durchschnitt extrem vermögend

Laut UBS Global Wealth Report 2026 lag die Schweiz beim durchschnittlichen Vermögen pro erwachsener Person weltweit auf Platz 1, mit 910'382 US-Dollar pro Erwachsenem. Dahinter folgten die USA und Luxemburg.

Beim Medianvermögen, also dem Wert in der Mitte der Bevölkerung, lag die Schweiz mit 145'555 US-Dollar zwar ebenfalls weit oben, aber nur auf Platz 8. Das zeigt bereits einen wichtigen Punkt: Die Schweiz ist sehr reich, aber das Vermögen ist nicht gleichmässig verteilt.

Derselbe Bericht weist für die Schweiz rund 944'000 US-Dollar-Millionäre aus. Das entspricht 13,1 % der Bevölkerung. Damit gehört die Schweiz weltweit zu den Ländern mit der höchsten Millionärsdichte.

Das heisst aber nicht, dass sich jede achte Person in der Schweiz wie ein klassischer Millionär fühlt. Ein grosser Teil dieses Vermögens steckt in Immobilien, Pensionskassenguthaben oder langfristigen Anlagen, also nicht einfach auf dem Bankkonto.

Hohe Löhne schaffen die Basis

Ein wichtiger Grund ist relativ einfach: In der Schweiz wird sehr gut verdient. Laut Bundesamt für Statistik lag der Medianlohn 2024 bei einer Vollzeitstelle bei 7'024 Franken brutto pro Monat. Das bedeutet: Die eine Hälfte verdient mehr, die andere Hälfte weniger.

Hohe Löhne allein machen aber noch keine Millionäre. Entscheidend ist, was nach Steuern, Abgaben und Lebenshaltungskosten übrig bleibt, und ob dieses Geld langfristig gespart oder investiert wird.

Hier hat die Schweiz ebenfalls eine besondere Position. Laut OECD lag die Steuer- und Abgabenbelastung für eine durchschnittliche alleinstehende arbeitende Person in der Schweiz 2024 bei 22,9 %. Der OECD-Durchschnitt lag bei 34,9 %. Auch der Nettoanteil am Bruttolohn war entsprechend höher: Eine durchschnittliche alleinstehende Person behielt in der Schweiz rund 82 % des Bruttolohns, im OECD-Durchschnitt waren es 75 %.

Das ist ein wichtiger Vermögensmotor: Wer gut verdient und vergleichsweise viel vom Bruttolohn behält, kann über Jahre deutlich mehr Vermögen aufbauen.

Die Pensionskasse macht viele Menschen reicher, als sie denken

Ein oft unterschätzter Grund für den Schweizer Wohlstand ist das Vorsorgesystem. Neben der AHV gibt es die berufliche Vorsorge, also die Pensionskasse. Viele Menschen sehen dieses Geld nicht als Vermögen, weil es nicht frei verfügbar ist. In internationalen Vermögensstatistiken spielt es aber eine grosse Rolle.

Die Schweizerische Nationalbank schreibt, dass die finanziellen Vermögenswerte der privaten Haushalte 2025 auf 3'278 Milliarden Franken gestiegen sind. Ein wichtiger Treiber waren unter anderem höhere Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge. Zudem investierten Haushalte mehr in Anlagefonds und erhöhten ihre Bankeinlagen.

Langfristig ist dieser Effekt enorm. Die SNB hält fest, dass sich das Nettovermögen der Schweizer Haushalte in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt hat. Innerhalb der finanziellen Vermögenswerte sind Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge der wichtigste Bestandteil und machen rund 40 % aus.

Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zu vielen anderen Ländern: In der Schweiz wird ein grosser Teil des Einkommens automatisch und langfristig für das Alter angespart. Dieses System baut Vermögen auf, auch bei Menschen, die sich selbst gar nicht als Investoren sehen.

Immobilien haben viele Vermögen stark wachsen lassen

Ein weiterer zentraler Grund sind Immobilien. Wer in der Schweiz vor 20 oder 30 Jahren Wohneigentum gekauft hat, besitzt heute oft ein Objekt, das massiv an Wert gewonnen hat. Das macht viele Menschen auf dem Papier zu Millionären, selbst wenn sie nicht über ein riesiges frei verfügbares Vermögen verfügen.

Laut SNB betrug der Marktwert der Immobilien im Besitz privater Haushalte Ende 2025 2'924 Milliarden Franken. Das war fast die Hälfte des gesamten Haushaltsvermögens. Allein 2025 stieg dieser Immobilienwert um 140 Milliarden Franken, vor allem wegen höherer Immobilienpreise.

Gleichzeitig sind Hypotheken in der Schweiz weit verbreitet. Die SNB meldete für 2025 Haushaltsverbindlichkeiten von 1'070 Milliarden Franken, davon 983 Milliarden Franken Hypotheken. Trotzdem stieg das Nettovermögen der Haushalte auf 5'132 Milliarden Franken.

Das erklärt ein wichtiges Paradox: Die Schweiz hat sehr viele Millionäre, obwohl Wohneigentum für viele junge Menschen kaum erreichbar wirkt. Wer bereits Eigentum besitzt, profitiert stark von steigenden Preisen. Wer noch keines hat, erlebt dieselben Preise eher als Hürde.

Der Finanzplatz zieht Vermögen an und verwaltet es professionell

Die Schweiz ist seit Jahrzehnten ein globaler Finanzplatz. Zürich und Genf sind international bekannte Zentren für Banken, Vermögensverwaltung, Versicherungen und Family Offices. Das schafft nicht nur viele gut bezahlte Jobs, sondern auch ein Umfeld, in dem Vermögen professionell verwaltet, investiert und langfristig erhalten wird.

Die Schweizer Banken verwalteten 2024 laut Swiss Banking 9'284 Milliarden Franken an Kundenvermögen, ein neuer Höchststand. Davon stammte ein grosser Teil aus dem Ausland. Swiss Banking schreibt zudem, dass die Schweiz 2024 weiterhin Weltmarktführerin im grenzüberschreitenden Wealth Management für Privatkunden war.

Auch die offizielle Plattform About Switzerland hält fest, dass über ein Fünftel der weltweiten grenzüberschreitenden Vermögen von Banken in der Schweiz verwaltet wird. Der Finanzsektor erwirtschaftet rund 9 % des Schweizer Bruttoinlandprodukts und beschäftigt weit über 200'000 Personen.

Das bedeutet: Die Schweiz ist nicht nur reich, weil hier viele Menschen gut verdienen. Sie ist auch reich, weil sie ein globales Zentrum für den Umgang mit Vermögen ist.

Stabilität ist ein Vermögensmagnet

Vermögende Menschen suchen nicht nur tiefe Steuern. Sie suchen vor allem Stabilität: politische Berechenbarkeit, starke Institutionen, Rechtssicherheit, stabile Währung, gute Infrastruktur, hohe Lebensqualität und internationale Vernetzung.

Genau hier ist die Schweiz stark. Sie gilt als sicherer Hafen, besonders in Zeiten geopolitischer Unsicherheit. Swiss Banking nennt die Rolle der Schweiz als sicherer Hafen und das Vertrauen in Schweizer Banken ausdrücklich als Grund für das hohe Niveau der verwalteten Vermögen.

Für reiche Personen und Familien ist das entscheidend. Wer viel Vermögen besitzt, denkt oft nicht nur in Rendite, sondern in Generationen: Wo ist mein Geld sicher? Wo funktionieren Gerichte, Banken und Politik zuverlässig? Wo kann ich leben, investieren und meine Familie absichern? Die Schweiz bietet darauf seit Jahrzehnten eine starke Antwort.

Steuern spielen eine Rolle, aber nicht allein

Die Schweiz ist steuerlich attraktiv, aber man sollte es nicht zu einfach darstellen. Die Schweiz ist kein steuerfreies Land. Es gibt Einkommenssteuern, Vermögenssteuern, Sozialabgaben und je nach Kanton grosse Unterschiede.

Trotzdem ist die Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen im internationalen Vergleich eher moderat. Die OECD-Daten zeigen, dass die Steuer- und Abgabenbelastung auf einem durchschnittlichen Arbeitseinkommen in der Schweiz deutlich unter dem OECD-Durchschnitt liegt.

Für bestimmte ausländische Vermögende gibt es zudem die sogenannte Pauschalbesteuerung, offiziell Besteuerung nach dem Aufwand. Sie gilt nur für ausländische Personen, die in der Schweiz wohnen, hier aber nicht erwerbstätig sind. Der Bund schreibt, dass weniger als 0,1 % der Steuerpflichtigen in der Schweiz nach diesem System besteuert werden. Ende 2018 waren es 4'557 Personen, die zusammen 821 Millionen Franken Steuern zahlten.

Das ist also nicht der Hauptgrund für die vielen Schweizer Millionäre, aber es ist ein zusätzlicher Faktor, warum die Schweiz für sehr vermögende Ausländer attraktiv sein kann.

Der starke Franken macht Schweizer Vermögen international grösser

Ein weiterer Punkt wird oft vergessen: Viele internationale Vergleiche rechnen in US-Dollar. Wenn der Schweizer Franken stark ist oder der US-Dollar schwächer wird, wirken Schweizer Vermögen in Dollar gerechnet grösser.

UBS weist im Global Wealth Report 2026 ausdrücklich darauf hin, dass Währungseffekte eine Rolle spielten: Die Abwertung des US-Dollars verstärkte Vermögenszuwächse ausserhalb der USA.

Das heisst: Ein Teil der Schweizer Millionärsdichte entsteht auch dadurch, dass Vermögen in Franken international sehr wertvoll ist. Wer ein Haus, ein Pensionskassenguthaben oder ein Wertschriftendepot in Franken besitzt, erreicht in Dollar gerechnet schneller die Millionengrenze als Menschen in Ländern mit schwächeren Währungen.

Viele Millionäre heisst nicht automatisch, dass alle reich sind

Die hohe Zahl an Millionären darf man nicht falsch verstehen. In der Schweiz gibt es grosse Vermögensunterschiede. Der Unterschied zwischen Durchschnittsvermögen und Medianvermögen zeigt das deutlich: Das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem liegt laut UBS bei über 910'000 US-Dollar, das Medianvermögen aber bei 145'555 US-Dollar.

Der Durchschnitt wird stark von sehr reichen Personen nach oben gezogen. Der Median zeigt eher, wo die Mitte der Bevölkerung steht. Wie konzentriert das Vermögen ist, zeigt eine weitere Zahl aus demselben Bericht: Die 13,1 % Millionäre halten zusammen rund 69 % des gesamten privaten Vermögens in der Schweiz.

Deshalb können beide Aussagen gleichzeitig stimmen: Die Schweiz hat extrem viele Millionäre, und trotzdem können sich viele Menschen Wohneigentum, hohe Mieten oder die Lebenshaltungskosten kaum leisten.

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt: In der Schweiz ist viel Vermögen vorhanden, aber es ist nicht gleichmässig verteilt und oft in langfristigen oder schwer zugänglichen Vermögenswerten gebunden.

Fazit

Die Schweiz hat so viele Millionäre, weil mehrere Faktoren gleichzeitig wirken: hohe Löhne, vergleichsweise hohe Nettoerwerbseinkommen, ein starkes Vorsorgesystem, steigende Immobilienwerte, ein global bedeutender Finanzplatz, politische Stabilität, ein starker Franken und internationale Attraktivität für Vermögende.

Der Schweizer Millionär ist dabei nicht immer der Klischee-Mensch mit Villa, Sportwagen und Privatjet. Oft ist es jemand mit Wohneigentum, Pensionskassenguthaben, Wertschriften und einem über Jahrzehnte aufgebauten Vermögen.

Genau das macht die Schweiz so speziell: Sie ist nicht nur ein Land mit einigen Superreichen. Sie ist ein Land, in dem Vermögen systematisch aufgebaut, geschützt und verwaltet wird, über Arbeit, Immobilien, Vorsorge, Finanzmärkte und Stabilität.

Quellen

[1] UBS: Global Wealth Report 2026; durchschnittliches Vermögen von 910'382 US-Dollar pro Erwachsenem und Platz 1 weltweit, Medianvermögen von 145'555 US-Dollar und Platz 8, rund 944'000 US-Dollar-Millionäre beziehungsweise 13,1 % der Bevölkerung mit rund 69 % des gesamten Privatvermögens sowie Hinweis auf Währungseffekte durch die Abwertung des US-Dollars. (ubs.com)

[2] Bundesamt für Statistik BFS: Schweizerische Lohnstrukturerhebung; Medianlohn von 7'024 Franken brutto pro Monat bei einer Vollzeitstelle im Jahr 2024. (bfs.admin.ch)

[3] OECD: Taxing Wages 2025; Steuer- und Abgabenbelastung von 22,9 % für eine durchschnittliche alleinstehende Person in der Schweiz gegenüber 34,9 % im OECD-Durchschnitt sowie Nettoanteil am Bruttolohn von rund 82 % gegenüber 75 %. (oecd.org)

[4] Schweizerische Nationalbank SNB: Vermögen der privaten Haushalte 2025; finanzielle Vermögenswerte von 3'278 Milliarden Franken, Anteil der beruflichen Vorsorge von rund 40 % und Verdopplung des Nettovermögens in 25 Jahren. (snb.ch)

[5] Schweizerische Nationalbank SNB: Immobilien und Verbindlichkeiten der privaten Haushalte 2025; Immobilienwert von 2'924 Milliarden Franken mit einem Zuwachs von 140 Milliarden Franken, Verbindlichkeiten von 1'070 Milliarden Franken inklusive 983 Milliarden Franken Hypotheken sowie Nettovermögen von 5'132 Milliarden Franken. (snb.ch)

[6] Schweizerische Bankiervereinigung Swiss Banking: Bankenbarometer 2025; verwaltete Kundenvermögen von 9'284 Milliarden Franken im Jahr 2024, Weltmarktführerschaft im grenzüberschreitenden Wealth Management und Rolle der Schweiz als sicherer Hafen. (swissbanking.ch)

[7] EDA, About Switzerland: Der Schweizer Finanzplatz; über ein Fünftel der weltweiten grenzüberschreitenden Vermögen, rund 9 % des Bruttoinlandprodukts und weit über 200'000 Beschäftigte. (aboutswitzerland.eda.admin.ch)

[8] Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV: Besteuerung nach dem Aufwand; weniger als 0,1 % der Steuerpflichtigen, Ende 2018 insgesamt 4'557 Personen mit 821 Millionen Franken Steuern. (estv.admin.ch)

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