Mehr Millionäre als fast jedes andere Land - aber viel davon steckt in Immobilien und Pensionskassen. Was hinter den Zahlen wirklich steckt.
Die Schweiz gilt als eines der reichsten Länder der Welt. Aber spannend wird es, wenn man genauer hinschaut: Warum gibt es hier eigentlich so viele Millionäre? Liegt es nur an den hohen Löhnen? An den Banken? An tiefen Steuern? Oder daran, dass Immobilien so teuer geworden sind?
Die Antwort ist: Es ist eine Mischung aus allem. Die Schweiz ist nicht nur ein Land mit hohen Einkommen. Sie ist auch ein Land mit hohen Immobilienwerten, einem starken Finanzplatz, stabilen Institutionen, viel angespartem Vorsorgekapital und internationaler Anziehungskraft für Vermögende.
Wichtig ist zuerst die Definition: Wenn in Vermögensberichten von "Millionären" die Rede ist, geht es meistens um US-Dollar-Millionäre. Gemeint sind Personen, deren Nettovermögen über einer Million US-Dollar liegt - also Vermögen aus Finanzanlagen, Immobilien und anderen Vermögenswerten, abzüglich Schulden. Es geht also nicht darum, ob jemand eine Million pro Jahr verdient.
Die Schweiz ist im Durchschnitt extrem vermögend
Laut UBS Global Wealth Report 2026 lag die Schweiz beim durchschnittlichen Vermögen pro erwachsener Person weltweit auf Platz 1 - mit 910'382 US-Dollar pro Erwachsenem. Dahinter folgten die USA und Luxemburg.
Beim Medianvermögen, also dem Wert in der Mitte der Bevölkerung, lag die Schweiz mit 145'555 US-Dollar ebenfalls weit oben, aber nicht auf Platz 1. Das zeigt bereits einen wichtigen Punkt: Die Schweiz ist sehr reich, aber das Vermögen ist nicht gleichmässig verteilt.
Schon im UBS Global Wealth Report 2025 wurde festgehalten, dass in der Schweiz mehr als jeder siebte Erwachsene ein US-Dollar-Millionär ist. Damit gehört die Schweiz weltweit zu den Ländern mit der höchsten Millionärsdichte.
Das heisst aber nicht, dass sich jeder siebte Mensch in der Schweiz wie ein klassischer "Millionär" fühlt. Ein grosser Teil dieses Vermögens steckt in Immobilien, Pensionskassenguthaben oder langfristigen Anlagen - also nicht einfach auf dem Bankkonto.
Hohe Löhne schaffen die Basis
Ein wichtiger Grund ist relativ einfach: In der Schweiz wird sehr gut verdient. Laut Bundesamt für Statistik lag der Medianlohn 2024 bei einer Vollzeitstelle bei 7'024 Franken brutto pro Monat.
Hohe Löhne allein machen aber noch keine Millionäre. Entscheidend ist, was nach Steuern, Abgaben und Lebenshaltungskosten übrig bleibt - und ob dieses Geld langfristig gespart oder investiert wird.
Hier hat die Schweiz ebenfalls eine besondere Position. Laut OECD lag die Steuer- und Abgabenbelastung für eine durchschnittliche alleinstehende arbeitende Person in der Schweiz 2024 bei 22,9 Prozent. Der OECD-Durchschnitt lag bei 34,9 Prozent.
Das ist ein wichtiger Vermögensmotor: Wer gut verdient und vergleichsweise viel vom Bruttolohn behält, kann über Jahre deutlich mehr Vermögen aufbauen.
Die Pensionskasse macht viele Menschen reicher, als sie denken
Ein oft unterschätzter Grund für den Schweizer Wohlstand ist das Vorsorgesystem. Neben der AHV gibt es die berufliche Vorsorge, also die Pensionskasse. Viele Menschen sehen dieses Geld nicht als "Vermögen", weil es nicht frei verfügbar ist. In internationalen Vermögensstatistiken spielt es aber eine grosse Rolle.
Die Schweizerische Nationalbank schreibt, dass die finanziellen Vermögenswerte der privaten Haushalte 2025 auf 3'278 Milliarden Franken gestiegen sind. Ein wichtiger Treiber waren höhere Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge.
Innerhalb der finanziellen Vermögenswerte sind Ansprüche aus der beruflichen Vorsorge der wichtigste Bestandteil und machen rund 40 Prozent aus. Die SNB hält fest, dass sich das Nettovermögen der Schweizer Haushalte in den letzten 25 Jahren mehr als verdoppelt hat.
Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zu vielen anderen Ländern: In der Schweiz wird ein grosser Teil des Einkommens automatisch und langfristig für das Alter angespart. Dieses System baut Vermögen auf - auch bei Menschen, die sich selbst gar nicht als Investoren sehen.
Immobilien haben viele Vermögen stark wachsen lassen
Ein weiterer zentraler Grund sind Immobilien. Wer in der Schweiz vor 20 oder 30 Jahren Wohneigentum gekauft hat, besitzt heute oft ein Objekt, das massiv an Wert gewonnen hat. Das macht viele Menschen auf dem Papier zu Millionären - selbst wenn sie nicht über ein riesiges frei verfügbares Vermögen verfügen.
Laut SNB betrug der Marktwert der Immobilien im Besitz privater Haushalte Ende 2025 2'924 Milliarden Franken - fast die Hälfte des gesamten Haushaltsvermögens. Allein 2025 stieg dieser Immobilienwert um 140 Milliarden Franken.
Das erklärt ein wichtiges Paradox: Die Schweiz hat sehr viele Millionäre, obwohl Wohneigentum für viele junge Menschen kaum erreichbar wirkt. Wer bereits Eigentum besitzt, profitiert stark von steigenden Preisen. Wer noch keines hat, erlebt dieselben Preise eher als Hürde.
Der Finanzplatz zieht Vermögen an und verwaltet es professionell
Die Schweiz ist seit Jahrzehnten ein globaler Finanzplatz. Zürich und Genf sind international bekannte Zentren für Banken, Vermögensverwaltung, Versicherungen und Family Offices.
Die Schweizer Banken verwalteten 2024 laut Swiss Banking 9'284 Milliarden Franken an Kundenvermögen - ein neuer Höchststand. Die Schweiz war 2024 weiterhin Weltmarktführerin im grenzüberschreitenden Wealth Management für Privatkunden.
Über ein Fünftel der weltweiten grenzüberschreitenden Vermögen wird von Banken in der Schweiz verwaltet. Der Finanzsektor erwirtschaftet rund 9 Prozent des Schweizer Bruttoinlandprodukts und beschäftigt weit über 200'000 Personen.
Die Schweiz ist nicht nur reich, weil hier viele Menschen gut verdienen. Sie ist auch reich, weil sie ein globales Zentrum für den Umgang mit Vermögen ist.
Stabilität ist ein Vermögensmagnet
Vermögende Menschen suchen nicht nur tiefe Steuern. Sie suchen vor allem Stabilität: politische Berechenbarkeit, starke Institutionen, Rechtssicherheit, stabile Währung, gute Infrastruktur und internationale Vernetzung.
Genau hier ist die Schweiz stark. Sie gilt als sicherer Hafen - besonders in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.
Für reiche Personen und Familien ist das entscheidend. Wer viel Vermögen besitzt, denkt oft nicht nur in Rendite, sondern in Generationen: Wo ist mein Geld sicher? Wo funktionieren Gerichte, Banken und Politik zuverlässig? Die Schweiz bietet darauf seit Jahrzehnten eine starke Antwort.
Steuern spielen eine Rolle - aber nicht allein
Die Schweiz ist steuerlich attraktiv, aber man sollte es nicht zu einfach darstellen. Die Schweiz ist kein steuerfreies Land. Es gibt Einkommenssteuern, Vermögenssteuern, Sozialabgaben und je nach Kanton grosse Unterschiede.
Trotzdem ist die Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen im internationalen Vergleich eher moderat. Die OECD-Daten zeigen, dass die Steuer- und Abgabenbelastung auf einem durchschnittlichen Arbeitseinkommen in der Schweiz deutlich unter dem OECD-Durchschnitt liegt.
Für bestimmte ausländische Vermögende gibt es zudem die sogenannte Pauschalbesteuerung. Sie gilt nur für ausländische Personen, die in der Schweiz wohnen, hier aber nicht erwerbstätig sind. Weniger als 0,1 Prozent der Steuerpflichtigen werden nach diesem System besteuert.
Das ist also nicht der Hauptgrund für die vielen Schweizer Millionäre - aber ein zusätzlicher Faktor, warum die Schweiz für sehr vermögende Ausländer attraktiv sein kann.
Der starke Franken macht Schweizer Vermögen international grösser
Ein weiterer Punkt wird oft vergessen: Viele internationale Vergleiche rechnen in US-Dollar. Wenn der Schweizer Franken stark ist oder der US-Dollar schwächer wird, wirken Schweizer Vermögen in Dollar gerechnet grösser.
UBS weist im Global Wealth Report 2026 ausdrücklich darauf hin, dass Währungseffekte eine Rolle spielten: Die Abwertung des US-Dollars verstärkte Vermögenszuwächse ausserhalb der USA.
Wer ein Haus, ein Pensionskassenguthaben oder ein Wertschriftendepot in Franken besitzt, erreicht in Dollar gerechnet schneller die Millionengrenze als Menschen in Ländern mit schwächeren Währungen.
Viele Millionäre heisst nicht automatisch: alle sind reich
Die hohe Zahl an Millionären darf man nicht falsch verstehen. In der Schweiz gibt es grosse Vermögensunterschiede.
Das durchschnittliche Vermögen pro Erwachsenem liegt laut UBS bei über 910'000 US-Dollar, das Medianvermögen aber bei 145'555 US-Dollar. Der Durchschnitt wird stark von sehr reichen Personen nach oben gezogen. Der Median zeigt eher, wo die Mitte der Bevölkerung steht.
Deshalb können beide Aussagen gleichzeitig stimmen: Die Schweiz hat extrem viele Millionäre - und trotzdem können sich viele Menschen Wohneigentum, hohe Mieten oder die Lebenshaltungskosten kaum leisten.
In der Schweiz ist viel Vermögen vorhanden, aber es ist nicht gleichmässig verteilt und oft in langfristigen oder schwer zugänglichen Vermögenswerten gebunden.
Fazit
Die Schweiz hat so viele Millionäre, weil mehrere Faktoren gleichzeitig wirken: hohe Löhne, vergleichsweise hohe Nettoerwerbseinkommen, ein starkes Vorsorgesystem, steigende Immobilienwerte, ein global bedeutender Finanzplatz, politische Stabilität, ein starker Franken und internationale Attraktivität für Vermögende.
Der Schweizer Millionär ist dabei nicht immer der Klischee-Mensch mit Villa, Sportwagen und Privatjet. Oft ist es jemand mit Wohneigentum, Pensionskassenguthaben, Wertschriften und einem über Jahrzehnte aufgebauten Vermögen.
Genau das macht die Schweiz so speziell: Sie ist nicht nur ein Land mit einigen Superreichen. Sie ist ein Land, in dem Vermögen systematisch aufgebaut, geschützt und verwaltet wird - über Arbeit, Immobilien, Vorsorge, Finanzmärkte und Stabilität.
Quellen
UBS Global Wealth Report 2026: Schweiz auf Platz 1 beim durchschnittlichen Vermögen pro Erwachsenem mit 910'382 US-Dollar; Medianvermögen 145'555 US-Dollar; Währungseffekte durch Abwertung des US-Dollars.
UBS Global Wealth Report 2025: In der Schweiz und Luxemburg mehr als jeder siebte Erwachsene ein US-Dollar-Millionär.
Bundesamt für Statistik BFS: Medianlohn 2024 bei Vollzeitstelle 7'024 Franken brutto pro Monat.
OECD Taxing Wages 2025: Steuer- und Abgabenbelastung Schweiz 22,9 Prozent, OECD-Durchschnitt 34,9 Prozent; Nettoanteil am Bruttolohn Schweiz rund 82 Prozent, OECD-Durchschnitt 75 Prozent.
Schweizerische Nationalbank SNB: Finanzielle Vermögenswerte privater Haushalte 2025 auf 3'278 Milliarden Franken; berufliche Vorsorge rund 40 Prozent der finanziellen Vermögenswerte; Nettovermögen in 25 Jahren mehr als verdoppelt; Immobilienwert 2'924 Milliarden Franken; Haushaltsverbindlichkeiten 1'070 Milliarden Franken; Nettovermögen 5'132 Milliarden Franken.
Swiss Banking: Verwaltete Kundenvermögen 2024 auf 9'284 Milliarden Franken; Schweiz Weltmarktführerin im grenzüberschreitenden Wealth Management.
About Switzerland / EDA: Über ein Fünftel der weltweiten grenzüberschreitenden Vermögen von Banken in der Schweiz verwaltet; Finanzsektor rund 9 Prozent des BIP.
Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV / Bundesrat: Pauschalbesteuerung für ausländische Personen ohne Erwerbstätigkeit in der Schweiz; weniger als 0,1 Prozent der Steuerpflichtigen.