Laut dem Referenzszenario des BFS fällt die 10-Millionen-Marke 2041. Eine Prognose ist das aber nicht: Ob es so kommt, entscheidet vor allem die Zuwanderung.
Neun Millionen Einwohner hat die Schweiz bereits überschritten. Die nächste grosse Marke ist deshalb absehbar: 10 Millionen. Aber wann genau? 2035? 2040? 2045?
Die aktuellsten Bevölkerungsszenarien des Bundesamts für Statistik liefern darauf eine ziemlich konkrete Antwort: Um 2040 dürfte die Schweiz ungefähr 10 Millionen Einwohner zählen. Im Referenzszenario wird die Marke 2041 überschritten.
Doch das ist keine klassische Prognose. Je nachdem, wie sich Migration, Geburtenrate und Lebenserwartung entwickeln, könnten die 10 Millionen deutlich früher erreicht werden. Oder vorerst überhaupt nicht. Genau deshalb rechnet der Bund nicht mit einer einzigen Zukunft, sondern mit mehreren Szenarien.
Von acht auf neun Millionen ging es erstaunlich schnell
Um 1900 lebten erst rund 3,3 Millionen Menschen in der Schweiz. 1950 waren es rund 4,7 Millionen, 1960 bereits 5,4 Millionen und 1970 rund 6,3 Millionen. Im Jahr 2000 lebten etwa 7,3 Millionen Menschen im Land. Ende 2012 überschritt die ständige Wohnbevölkerung erstmals die Marke von 8 Millionen.
Inzwischen ist auch die nächste Million erreicht. Ende 2025 lebten 9'127'100 Menschen dauerhaft in der Schweiz. Innerhalb eines Jahres kamen netto 76'100 Personen hinzu. Das entsprach einem Wachstum von 0,8 %.
Damit hat sich das Bevölkerungswachstum zuletzt zwar etwas verlangsamt. Die langfristige Entwicklung bleibt aber deutlich: Innerhalb von gut einem Jahrzehnt ist aus der 8-Millionen-Schweiz eine 9-Millionen-Schweiz geworden.
Die Frage nach den 10 Millionen ist deshalb längst keine theoretische Zukunftsfrage mehr.
Das Referenzszenario sagt: 2041
Das Bundesamt für Statistik erstellt ungefähr alle fünf Jahre neue Bevölkerungsszenarien. Die aktuelle Serie reicht von 2025 bis 2055. Dabei gibt es drei zentrale Varianten:
- ein Referenzszenario
- ein hohes Szenario
- ein tiefes Szenario
Das Referenzszenario schreibt die unter mittleren Annahmen erwartete Entwicklung von Migration, Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung fort. Danach entwickelt sich die ständige Wohnbevölkerung ungefähr so:
- 2035: 9,75 Millionen
- 2040: rund 10,0 Millionen
- 2041: mehr als 10 Millionen
- 2045: 10,16 Millionen
- 2055: 10,47 Millionen
Das BFS schreibt ausdrücklich, dass die Bevölkerung 2041 die Marke von 10 Millionen überschreiten dürfte. Bis 2055 wären es im Referenzszenario rund 10,5 Millionen Menschen.
Die kurze Antwort auf die Frage dieses Artikels lautet deshalb: Wenn sich die Schweiz ungefähr entlang des heutigen Referenzszenarios entwickelt, erreicht sie um 2040 die Marke von 10 Millionen und überschreitet sie 2041.
Wichtig ist allerdings: Das Szenario wurde 2025 berechnet. Die definitive Bevölkerungszahl für Ende 2025 liegt inzwischen bei 9,127 Millionen. Kleine Abweichungen vom damaligen Ausgangswert sind deshalb normal.
Entscheidend ist vor allem die Zuwanderung
Der wichtigste Faktor hinter dem zukünftigen Wachstum sind nicht besonders viele Geburten. Es ist die Migration.
Bevölkerungswachstum lässt sich vereinfacht durch zwei Grössen erklären: Geburten minus Todesfälle, dazu Einwanderungen minus Auswanderungen. Die Differenz zwischen Einwanderung und Auswanderung nennt man Wanderungssaldo.
2025 lässt sich die Bedeutung dieses Faktors besonders gut erkennen. In die Schweiz wanderten 204'300 Personen ein, 133'800 Personen wanderten aus. Der internationale Wanderungssaldo betrug damit 70'400 Personen.
Rund 92 % des gesamten Bevölkerungswachstums 2025 gingen laut BFS auf diesen Wanderungssaldo zurück. Nur rund 8 % entfielen auf den Geburtenüberschuss.
Und die Bedeutung der Migration dürfte noch zunehmen. Im Referenzszenario wird der Geburtenüberschuss ab 2035 negativ. Das bedeutet: Ab dann sterben jährlich mehr Menschen in der Schweiz, als Kinder geboren werden. Das Bevölkerungswachstum wäre ab diesem Zeitpunkt im Referenzszenario vollständig migrationsbedingt.
Ob die Schweiz zehn Millionen Einwohner erreicht und wie schnell das geschieht, hängt deshalb entscheidend davon ab, wie viele Menschen künftig einwandern und wie viele das Land wieder verlassen.
Es könnte deutlich früher passieren oder vorerst gar nicht
Deshalb wäre es falsch, 2041 als festes Datum zu betrachten. Das BFS berechnet bewusst unterschiedliche mögliche Entwicklungen.
Im hohen Szenario wird unter anderem mit einer stärkeren Nettomigration, einer etwas höheren Geburtenhäufigkeit und einer schneller steigenden Lebenserwartung gerechnet. Dann ergibt sich:
- 2025: 9,17 Millionen
- 2035: 10,19 Millionen
- 2045: 10,98 Millionen
- 2055: 11,68 Millionen
In diesem Szenario hätte die Schweiz die Marke von zehn Millionen also bereits bis 2035 überschritten.
Das tiefe Szenario sieht völlig anders aus:
- 2025: 9,05 Millionen
- 2035: 9,31 Millionen
- 2045: 9,34 Millionen
- 2055: 9,27 Millionen
In dieser Variante erreicht die Bevölkerung laut BFS 2042 ihren Höchststand und beginnt danach wieder zu sinken. Die Schweiz würde bis 2055 überhaupt keine zehn Millionen Einwohner erreichen.
Für 2055 reicht die Spannweite der drei Szenarien damit von rund 9,3 Millionen bis 11,7 Millionen Menschen. Das zeigt, wie stark Unterschiede bei Migration, Geburten und Lebenserwartung über mehrere Jahrzehnte wirken können.
Gleichzeitig wird die Schweiz deutlich älter
Bei der Diskussion über die 10-Millionen-Schweiz geht leicht unter, dass sich nicht nur die Zahl der Einwohner verändert. Auch die Altersstruktur verschiebt sich deutlich.
2025 wurde dabei erstmals eine bemerkenswerte Schwelle überschritten. In der Schweiz lebten 1'810'600 Menschen ab 65 Jahren. Demgegenüber standen 1'804'500 Menschen unter 20 Jahren. Damit gab es erstmals mehr Personen ab 65 als Kinder und Jugendliche unter 20. In 17 der 26 Kantone war der Altersquotient bereits höher als der Jugendquotient.
Diese Entwicklung dürfte weitergehen. Im Referenzszenario steigt die Zahl der Menschen ab 65 Jahren von rund 1,8 Millionen im Jahr 2025 auf 2,2 Millionen im Jahr 2035 und knapp 2,7 Millionen im Jahr 2055. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt von knapp 20 % auf rund 25,5 %.
Auch der sogenannte Altersquotient nimmt deutlich zu. 2025 kamen 32,8 Personen ab 65 Jahren auf 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren. Im Referenzszenario steigt dieser Wert bis 2055 auf 44,9.
Anders gesagt: Heute kommen auf 100 Menschen zwischen 20 und 64 Jahren ungefähr 33 Personen im Rentenalter. 2055 wären es ungefähr 45.
Die zukünftige Schweiz wird deshalb gleichzeitig grösser und älter. Das betrifft unter anderem Arbeitsmarkt, Gesundheitswesen, Altersvorsorge, Wohnungsbau und Infrastruktur.
Die zusätzliche Million verteilt sich nicht gleichmässig
Auch geografisch wird sich die Bevölkerung sehr unterschiedlich entwickeln. Das BFS erwartet, dass sich die Bevölkerung zunehmend auf die Kantone rund um die Agglomerationen Zürich und Genf konzentriert.
Im Referenzszenario wächst die Bevölkerung zwischen 2025 und 2055 in sechs Kantonen um mehr als 20 %:
- Luzern
- St. Gallen
- Aargau
- Thurgau
- Waadt
- Genf
Gesamtschweizerisch beträgt das erwartete Wachstum im gleichen Zeitraum rund 15 %.
Zürich fehlt in dieser Liste aus einem einfachen Grund: Der Kanton wächst zwar sehr stark, aber prozentual knapp weniger als 20 %. Im Referenzszenario steigt die Bevölkerung des Kantons Zürich von rund 1,636 Millionen im Jahr 2025 auf 1,932 Millionen im Jahr 2055. Das entspricht einem Wachstum von ungefähr 18 %. Weil Zürich aber bereits sehr bevölkerungsreich ist, sind das trotzdem fast 296'000 zusätzliche Menschen.
Damit wird deutlich: Prozentuales Wachstum und absoluter Bevölkerungszuwachs sind nicht dasselbe. Ein grosser Teil der zusätzlichen Bevölkerung dürfte sich auf bereits heute stark besiedelte Wirtschaftsregionen und deren Umgebung konzentrieren.
Über die 10-Millionen-Grenze wurde 2026 sogar abgestimmt
Die Bevölkerungsentwicklung ist längst auch eine politische Frage. Am 14. Juni 2026 stimmte die Schweiz über die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)" ab. Die Initiative wollte die ständige Wohnbevölkerung bis 2050 unter zehn Millionen Personen halten.
Sie wurde abgelehnt. 54,79 % stimmten Nein, 45,21 % stimmten Ja. Als Verfassungsinitiative benötigte sie zusätzlich zur Mehrheit der Stimmberechtigten auch das Ständemehr. Auch dieses wurde nicht erreicht.
Das Abstimmungsergebnis zeigte gleichzeitig deutliche geografische Unterschiede. In ländlichen Gemeinden stimmten schweizweit 58,16 % für die Initiative. In den Kernstädten waren es dagegen nur 29,58 %.
Die Initiative ist damit gescheitert. Eine verfassungsmässige Obergrenze von zehn Millionen Einwohnern gibt es nicht. Wie stark die Bevölkerung künftig tatsächlich wächst, hängt deshalb weiterhin von demografischen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen ab.
Aber sind solche Szenarien überhaupt zuverlässig?
Das BFS betont selbst: Die Bevölkerungsszenarien sind keine Prognosen. Sie beschreiben plausible Entwicklungen für den Fall, dass bestimmte Annahmen eintreffen.
Und gerade bei der Migration können sich die Rahmenbedingungen schnell verändern. Eine Wirtschaftskrise kann die Zuwanderung reduzieren. Ein Wirtschaftsboom kann den Bedarf an Arbeitskräften erhöhen. Kriege können Fluchtbewegungen auslösen. Politische Entscheide können die Einwanderung beeinflussen. Auch Geburtenhäufigkeit und Lebenserwartung entwickeln sich nicht exakt vorhersehbar.
Dass sich die Realität vom Szenario unterscheiden kann, zeigt bereits das Jahr 2025. Das Referenzszenario rechnete für 2025 mit rund 9,11 Millionen Menschen. Die definitive Statistik weist Ende 2025 tatsächlich 9,127 Millionen aus. Das ist keine grosse Abweichung. Aber über 10, 20 oder 30 Jahre können sich solche Unterschiede summieren. Deshalb aktualisiert das BFS seine Bevölkerungsszenarien regelmässig.
Die entscheidende Frage lautet also nicht: An welchem exakten Tag wird die Schweiz zehn Millionen Einwohner haben? Sondern: Welche Entwicklung ergibt sich unter den heutigen Annahmen? Darauf lautet die aktuelle Antwort: Um 2040 dürfte die Schweiz ungefähr 10 Millionen Einwohner zählen. Im Referenzszenario wird die Marke 2041 überschritten.
Fazit
Nach dem aktuellen Referenzszenario des Bundesamts für Statistik erreicht die Schweiz die 10-Millionen-Marke 2041. Genauer gesagt rechnet das BFS bereits für 2040 mit rund zehn Millionen Menschen. Im darauffolgenden Jahr wird die Marke im Referenzszenario überschritten.
Bei stärkerem Bevölkerungswachstum könnte das bereits einige Jahre früher geschehen. Bei tieferer Migration könnte die Schweiz dagegen auch langfristig unter zehn Millionen Einwohnern bleiben.
Entscheidend ist dabei vor allem ein Faktor: Migration. Bereits 2025 gingen rund 92 % des Bevölkerungswachstums auf den Wanderungssaldo zurück. Ab 2035 wird im Referenzszenario sogar mit mehr Todesfällen als Geburten gerechnet. Die Schweiz würde dann nur noch wachsen, wenn weiterhin mehr Menschen einwandern als auswandern.
Die 10-Millionen-Schweiz ist deshalb keine demografische Gewissheit. Aber unter den heutigen Annahmen ist sie das wahrscheinlichste Referenzszenario des Bundes: ungefähr um das Jahr 2040, mit Überschreiten der Marke 2041.